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Schön- und Widerdruck

Unter “Schöndruck” versteht man das erstmalige Bedrucken des Bedruckstoffes bei 2-seitigem Druck. Die Bezeichnung “Schöndruck” beruht vermutlich darauf, dass früher zuerst die schönere, d. h. die gleichmäßigere Filzseite des Papiers vom Drucker bedruckt wurde. Die eigentliche Siebseite war nämlich dagegen nicht so “schön”, weil auf ihr die Siebstruktur der Papiermaschine mehr oder weniger stark zu sehen war und die Druckqualität negativ beeinflusste. Nach dem Schöndruck erfolgt dann in einem 2. Druckgang der so genannte “Widerdruck”. Unter Widerdruck ist also das Bedrucken der 2. Seite einer Auflage oder eines Bogens zu verstehen. Der Schön- und Widerdruck kann auf ganz verschiedene Art und Weise praktiziert werden:

Der gleichzeitige Schön- und Widerdruck erfolgte übrigens zeitgleich mit der Erfindung des Offsetdrucks durch Ira Williem Rubel. Durch ein deutsches Reichspatent vom 27.11.1904 wurde ich auch aufmerksam auf den Amerikaner Fletcher Rogers, der eine Maschine für Schön- und Widerdruck mit einem gemeinsamen Gegen- und Umdruckzylinder entworfen hatte. Diese Maschinen hatten 2 Plattenzylinder. 1907 erhielt Caspar Hermann, der größte deutsche Pionier des Offsetdruckes, das Deutsche Reichspatent Nr. 203612 für Offsetdruck im 4-Zylindersystem, bei dem 2 Gummizylinder gegeneinander arbeiten und beide Seiten eines Bogens gleichzeitig bedrucken. 1918 erhielt er auch das Deutsche Reichspatent No. DRP 375872 für Offsetdruck, für Mehrfarbendruck und Schön- und Widerdruck. Hier handelte es sich um eine “Doppelzweck-Maschine”, die sowohl als eine Schöndruckmaschine als auch als Schön- und Widerdruckmaschine eingesetzt werden konnte. Der Schön- und Widerdruck hat also nicht nur eine interessante Historie sondern auch eine lange Tradition.


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