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Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Farbmanagement?

Sinn und Zweck des Farbmanagements, auch Color-Management genannt, ist es, sicherzustellen, dass eine Vorlage mithilfe eines beliebigen Ausgabegeräts möglichst exakt reproduziert werden kann.
Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass mit Farbmanagement weder Optimierungen noch eine Retusche der Bilddaten vorgenommen wird. Es geht ganz allein darum, die Bilddaten originalgetreu durch den Produktionsprozess zu schleusen. Der korrekte Dateneingang und die richtige Konvertierung der Daten sind deshalb von ausschlaggebender Bedeutung. Um dies zu gewährleisten, wird ein Farbmanagementsystem generiert, innerhalb dessen Geräteprofile – Tabellen mit den Farbcharakteristiken des Geräts – den jeweiligen geräteeigenen Farbraum beschreiben, welcher dann in einen unabhängigen Austauschfarbraum wie etwa CIELab konvertiert werden kann. Mithilfe dieser sogenannten ICC-Profile können die Daten zwischen den verschiedenen Geräten so ausgetauscht werden, dass je nach physikalischer Grenze des Ein- und Ausgabegeräts zum Beispiel ein Ausdruck farblich möglichst identisch mit der Monitordarstellung erstellt werden kann.

Farbräume


Ein Farbraum ist eigentlich ein rein mathematisches Gebilde, welches eine bestimmte Menge von Farben systematisch durch die Angabe von Zahlen beschreibt.
• CMYK: Die Farben werden durch das Mischverhältnis der vier Grundfarben (Cyan, Magenta, Yellow und Key, d.h. Schwarz) beschrieben, unabhängig davon, welche Grundfarben letztlich verwendet werden. (Drucksysteme)
• RGB: Die wahrnehmbaren Farben werden durch die Koordinaten Rot, Grün und Blau definiert. (Monitore, Digitalkameras, Scanner). Der Farbraum ist hierbei wesentlich größer als bei CMYK, deshalb gehen durch eine zu frühe Umrechnung häufig wichtige Bildinformationen verloren.
Das Problem ist, dass sowohl CMYK als auch RGB geräteabhängig sind. Dadurch sieht beispielsweise eine zuvor definierte Prozessfarbe gedruckt auf unterschiedlichen Systemen und Materialien jeweils auch unterschiedlich aus. CIELab dagegen bildet alle des vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben unabhängig von Ein- oder Ausgabegerät ab. Allerdings konnten die meisten Programme CIELab-Dateien nur in einer Auflösung von 8 Bit verarbeiten. Eine so geringe Farbtiefe reicht natürlich bei Weitem nicht für die Farbdarstellung und -konvertierung aus. Als reiner Arbeitsfarbraum ist auch der ECI-RGB-Farbraum sehr beliebt. Dieser deckt alle gängigen Druckprozesse ab und ist so klein, dass ein reibungsloser Prozess unterstützt werden kann.
Die Umrechnung in den CIELab- oder ECI-RGB-Farbraum ist quasi eine Zwischenstation, in der Dateien archiviert werden können, um bei der Reproduktion auf verschiedenen Ausgabegeräten immer auf die gleiche Datenquelle zurückgreifen zu können.

ICC-Profil

Das International Color Consortium entwickelte das in der ISO 15076 standardisierte Format für Farbprofile, damit diese problemlos zwischen verschiedenen Anwendern wie etwa Druckerei und Kunde ausgetauscht werden können. ICC-Profile enthalten für jedes beteiligte Gerät Übersetzungstabellen für die Konvertierung in den Austauschfarbraum. Allerdings ist das Profil an bestimmte Umgebungsvariablen bzw. an einen bestimmten Zustand gebunden. Das ist durchaus logisch, wenn man bedenkt, welche Auswirkung zum Beispiel die Papierwahl aufgrund des unterschiedlichen Weißegrads auf das Ergebnis haben kann.
Erstellt werden Profile anhand einer Vorlage mit vielen unterschiedlichen Farbfeldern, die mit einem Spektralfotometer vermessen werden, um die Lab-Werte festzustellen. Anschließend werden die Ist-Werte der Geräte ermittelt, indem die Vorlage verarbeitet und ausgegeben wird. Die beiden Werte werden schließlich einander gegenübergestellt. Daraus ergibt sich unter anderem der sogenannte Gamut, der die Fähigkeit der Farbwiedergabe eines Gerätes beschreibt.
• Densitometer: Quantitative Messung der Reflexion einer Farbe durch einen Filter. Im Gegensatz zum Spektralfotometer kann ein Densitometer keine Farbtöne, sondern lediglich Tonwerte (Farbdichte) messen. Es ist sozusagen farbenblind und kann deshalb nicht erkennen, wenn sich zum Beispiel die Pigmentierung einer Farbe ändert.
• Spektralfotometer: Messen der Remissionswerte durch das Beleuchten der Messfläche über das gesamte Spektrum (von infrarot bis ultraviolett) des sichtbaren Lichtes hinweg. Dadurch kann der genaue Farbort der Farbe definiert werden. Farbverschiebungen lassen sich sofort erkennen.

Rendering Intent

Zur Konvertierung der Daten wird das sogenannte Quellprofil des Eingabegeräts und das Zielprofil des Ausgabegeräts benötigt. Diese ICC-Profile können über den Raster Image Processor des Proofers oder den Color-Server eines DTP-Programms miteinander verrechnet werden. Zudem gewährleistet Color-Management, dass ein bestimmtes Ergebnis bei gleichbleibenden Bedingungen zu jeder Zeit wieder erreicht werden kann.
• RIP: Der spezielle Rechner (Hard- oder Software) bereitet die Druckdaten zur Ausgabe auf, indem er die in der Seitenbeschreibungssprache (zum Beispiel PostScript) beschriebenen Bestandteile in ein Rasternetz von Punkten überführt.
Um eine möglichst exakte Wiedergabe zu gewährleisten, werden bereits bei der ICC-Profilerstellung die sogenannten Rendering Intents (RI) angelegt. In diesen Tabellenpaaren wird festgelegt, welche Umrechnungsmethode verwendet werden soll, d.h. wie die Umrechnung zwischen zwei über ICC-Profile festgelegte Farbräume zu erfolgen hat. Insgesamt gibt es zwei Gruppen mit jeweils zwei verschiedene Rendering Intents:
Fotografische Rendering Intents sollten vorgezogen werden, wenn der Quellfarbraum größer als der Zielfarbraum ist.
• Wahrnehmungsorientierter (perzeptiver) RI passt die Farbe so an, dass die Anmutung der Farbunterschiede erhalten bleibt. So werden die Bilder auch in dem kleineren Farbraum als weitgehend originalgetreu empfunden.
• Sättigungsorientierter RI passt die Farbe so an, dass die Sättigung erhalten bleibt. Das macht nur in einer Büroumgebung Sinn und ist für die grafische Industrie unbrauchbar.
Farbmetrische Rendering Intents sind dagegen sind sinnvoll, wenn der Quellfarbraum kleiner ist als der Farbraum, in den umgerechnet werden soll (zum Beispiel beim letzten Proofschritt). Die Farben werden dann exakt so dargestellt, wie es im Original der Fall ist.
• Absolut farbmetrischer RI berücksichtigt die Farbe des Bedruckstoffs, die im zu simulierenden Farbraum hinterlegt ist. So kann beispielsweise auf weißen Proofpapieren der spätere Bedruckstoff simuliert werden.
• Relativ farbmetrischer RI enthält keine Papiersimulation.

DeviceLink-Profile

Wenn es darum geht, für einen bestimmten Druckprozess angelegte Daten in einem anderen Druckprozess auszugeben (zum Beispiel bei der Wahl eines anderen Papiertyps) oder innerhalb desselben Druckprozesses Angleichungen für den Feinschliff vorzunehmen, kann bei einer Umrechnung über die Standard-ICC-Profile unliebsame Nebenwirkungen wie Farbverschiebungen oder Abrisse auftreten. Denn bei der Konvertierung in den Austauschfarbraum gehen wichtige Informationen verloren.
Dies lässt sich bei einer optimierten Umrechnung zum Beispiel von CMYK zu CMYK über die sogenannten DeviceLink-Profile vermeiden. Bei der Generierung von DeviceLink-Profilen werden Quell- und Zielprofil fest miteinander verknüpft, sodass die Umrechnung von einem fest definierten Eingabefarbraum in einen fest definierten Ausgabefarbraum möglich ist, ohne über den CIELab-Farbraum zu gehen.

Wie führt man einen ICC-basierten Ablauf ein?

Für alle am Farbworkflow beteiligten Ein- und Ausgabegeräte müssen ICC-Profile angelegt werden. Dreh- und Angelpunkt hierbei ist, wie auch bei der Produktion, der Druckprozess, denn nur anhand eines Druckprozessprofils kann die Güte einer Simulation am Monitor oder auf dem Farbproofer bestimmt werden. Sind schließlich alle Profile vorhanden, werden sie in den Applikationen oder im RIP hinterlegt und verrechnet.

Druckprozess profilieren

Im Allgemeinen sollte dem Druckprozess ein Standard zugrunde liegen. So legt der vom International Color Consortium ins Leben gerufene ICC-Standard die Rah¬menbedingungen zur Farbtransformation fest und schafft somit die Voraussetzung für verfah¬rensspezifische Farbanpassungen auf beliebigen Plattformen zu beliebigen Zeitpunkten im Farb¬workflow. Eine Vielzahl von ISO-Normen regelt die Reproduktion und die Beurteilung von Daten bzw. Proofs sowie die verschiedenen Druckprozesse.
Doch leider wird immer noch häufig „nach Gefühl“ gedruckt. Zudem sind die Toleranzen oft sehr großzügig auszulegen. Um hier den Kunden ein gewisses Maß an Sicherheit zu verschaffen, können neben dem Profil nach dem allgemeinen Druckstandard, welches den Standard für ein bestimmtes Druckverfahren und für eine bestimmte Papierklasse beschreibt, auch Druckprozessprofile für die verschiedene Druckmaschinen und Papierklassen des Druckdienstleisters angeboten werden. Über geeignete Messtechnik kann dann jederzeit kontrolliert werden, ob die Vorgaben eingehalten werden. Densitometrisch und spektralfotometrisch erfasste Werte dienen aber nicht nur der Kontrolle, sondern stellen zumeist auch ein wichtiges Beweismittel dar, wenn es um die Einhaltung von Toleranzen und Vorgaben geht.
Auf jeden Fall sollten bei der Erstellung eines ICC-Profils die einzelnen Prozessbedingungen und -schritte festgehalten werden. Dazu gehört das RIP zur Datenaufbereitung, Film- und Plattenbelichtungsparameter, Druckmaschine, Bedruckstoff, Farbe, Messtechnik genauso wie die dazugehörigen Hersteller, genaue Spezifikationen, Versionen oder Typbezeichnungen. Da die Umgebungsvariablen wie etwa die Raumtemperatur jedoch nur selten konstant sind, bleibt dennoch einiges der Verantwortung des Druckers überlassen, der letztendlich dafür Sorge tragen muss, dass das Ergebnis konstant bleibt.
Der Druckbogen für die Erstellung des ICC-Profils sollte neben dem Charakterisierungschart und dem Druckkontrollstreifen auch einige für das Motiv der späteren Produktion aussagekräftige Bilder enthalten (z.B. Hauttöne, Stoffe, Metalleffekte etc.). Hierzu werden von vielen Unternehmen Beispieldateien angeboten, man kann jedoch auch auf Produktionsdaten zurückgreifen. Weiterhin ist es für die spätere Proofkontrolle sinnvoll, einen Ugra/FOGRA-Medienkeil zu verwenden.
Das Charakterisierungschart durchläuft nun die gleiche Prozesskette wie die späteren Auftragsdaten. Es wird in das DTP-Programm importiert, aus dem üblicherweise die Daten zum Raster Image Processor (RIP) geschickt werden. (Wichtig ist, dass das Charakterisierungschart hier nicht verändert werden darf.)
Bei der Druckabnahme sollten dann Farbreihenfolge, Volltondichte, Tonwertzunahme und Graubalance protokolliert und die Lab-Werte der Primärfarben mit einem Spektralfotometer gemessen werden. Am Druckkontrollstreifen kann beurteilt werden, ob der Druck innerhalb der Toleranzen liegt und die Qualität den Vorstellungen entspricht.
Nun kann das ICC-Profil für den Druckprozess erstellt werden. Für die Profilierung wird normalerweise mehr als ein Druckbogen gemessen, da es auch zu Schwankungen während der Auflage kommen kann. Das Charakterisierungschart jedes Druckbogens wird über ein Spektralfotometer eingelesen. Dazu sollten sie auf einer weißen, opaken Unterlage liegen. Die Messdaten werden von der Farbmanagementsoftware übernommen. Zur Generierung eines hochwertigen Druckprozessprofils, sollten in der Software auch Farbauftrag und Schwarzaufbau festgelegt werden. Die Einstellungsmöglichkeiten zum Schwarzaufbau bieten allerdings nur professionelle Color-Management-Programme. Mithilfe der softwareeigenen Referenzdatei wird aus der Messwertedatei ein ICC-Profil erstellt.

Proofprozess profilieren

Im nächsten Schritt wird der Proofprozess in Angriff genommen. Proofs sind die vorweggenommene Simulation des Druckergebnisses. Hiermit können zu einem frühen Zeitpunkt kostenintensive Fehler im Druckbild entdeckt werden.
Bei den konventionellen analogen Proofverfahren wird der Druckfilm – dieser ist Voraussetzung für den Proof – auf eine UV-strahlungsempfindliche Farbschicht aufgelegt und belichtet. Aufgrund eines fotochemischen Prozesses können die nichtdruckenden Stellen beim Entwicklungsvorgang ausgewaschen werden, während farbhaltige Stellen auf dem Proof verbleiben (Farbabzug). Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass die Rasterpunkte in aller Regel ebenfalls nachgebildet werden. So können auch rasterbedingte Probleme wie etwa Moirés schnell erkannt werden.
Heutzutage werden jedoch in den meisten Fällen digitale Proofsysteme bevorzugt. Mittels einer speziellen Software, die unter anderem über ein Farbmanagementmodul verfügt, werden die Daten in ein druckerspezifisches Format umgewandelt und schließlich über ein Non-Impact-Gerät wie ein Inkjet- oder Thermosublimationsdrucker ausgedruckt. Die Farbanpassung wird dann über Farbprofile gesteuert, die je nach Verfahren erstellt und ausgetauscht werden können.
Wie beim Profilieren des Druckprozesses auch, wird eine Testform mit dem Charakterisierungschart und aussagekräftigen Bildern ausgegeben, die anschließend über ein Spektralfotometer vermessen werden. Die Werte werden dann mithilfe der Color-Management-Software in ein ICC-Profil umgewandelt.
Als erster Schritt hierzu sollte der Drucker linearisiert werden. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, bei Verzicht auf eine Linearisierung kann es aber zu Qualitätseinbußen kommen, die man leicht vermeiden kann. Der RIP unterstützt normalerweise die Linearisierung. Ansonsten helfen Batch-Programme.
Um den Proofprozess zu profilieren, wird die Testform in dem Programm erstellt, über das die Ausgabe im Produktionsprozess üblicherweise erfolgt. Im Druckertreiber sollten alle Farbeinstellungen, die auf die Farbwiedergabe Einfluss nehmen, ausgeschaltet werden. Das Gleiche gilt für OPI-Prozess und RIP. Parameter die im RIP fester Bestandteil der Farbausgabe sind, können nicht ausgeschaltet werden. Deren Einstellungen sollten deshalb ebenfalls der täglichen Produktion entsprechen. Wieder analog zur Profilierung des Druckprozesses wird ein Protokoll erstellt, welches Ausgabesoftware, Treiber, RIP und dessen Einstellungen sowie das verwendete Papier und die Farbe festhält. Dann wird die Testform gedruckt und anschließend vermessen. Für Tintendrucke gilt, dass der Bogen vor der Messung vollständig durchgetrocknet sein muss. Da jedoch auch auf trockenen Bögen nachträglich mit Farbverschiebungen zu rechnen ist, sollte im Protokoll vermerkt werden, wie viel Zeit zwischen Druck und Messung vergangen ist.
Das ICC-Profil des digitalen Farbproofers dient als Zielprofil für den verbindlichen Farbproof. Normalerweise findet die Verrechnung der Farbdaten im RIP statt, kann aber auch im DTP-Programm, im Druckertreiber oder in einem Batch-Programm vorgenommen werden. Ein Proofprofil alleine bewirkt jedoch noch keine Farbanpassung. Es kommt noch das Simulationsprofil hinzu, welches den Farbraum beschreibt, der simuliert werden soll – das ist üblicherweise das Simulationsprofil des Druckprozesses. Des Weiteren ist es sinnvoll, wenn zusätzlich auch ein Quellprofil für das Eingabegerät vorhanden ist. Ist dies nicht der Fall, sollten die zu proofenden CMYK-Daten zumindest mit dem Profil erstellt bzw. separiert worden sein, mit dem auch gedruckt wird (Simulationsprofil).

Eingabegeräte profilieren

Um eine Vorlage so originalgetreu wie möglich reproduzieren zu können, und zwar unabhängig vom verwendeten Eingabegerät, ist eine Farbcharakteristik von jedem am Farbprozess beteiligten Eingabesystem notwendig. Das ICC-Profil, das den RGB-Farbraum eines Scanners oder einer Kamera beschreibt, wird dazu verwendet, eine verbindliche Druckvorschau zu generieren und dient zur Umrechnung in den CMYK-Farbraum.
Quellprofile von Scannern oder Kameras sind immer RGB-Profile. Aber Achtung: Es gibt Scannersoftware, die beim Auslesen der RGB-Daten automatische Farbkorrekturen vornehmen, dies muss im Color-Management-Prozess natürlich ausgeschaltet werden.
Zur Profilierung eines Scanners benötigen Sie Fotoabzüge (IT8-7/2) und/oder Dias (IT8-7/1 im 4 x 5- und Kleinbild-Format), auf denen eine Anzahl definierter Farbfelder abgebildet ist. Diese sogenannten IT8-Targets müssen in einem einwandfreien Zustand vorliegen. Zusammen mit den Targets wird eine Referenzdatei mit den gemessenen Farbwerten der Targetfelder ausgeliefert. Eine solche Referenzdatei beschreibt also mehr oder weniger genau das vorliegende Target.
Die Targets werden nach bestimmten Produktionsintervallen gemessen. Je weiter die Intervalle auseinander liegen, desto eher weichen die Referenzwerte von dem vorliegenden Target ab, da auch die Herstellung der Foto- und Diaabzüge gewissen Produktionsschwankungen unterliegt. Deshalb ist es deutlich besser, die aktuellen Targets selbst zu vermessen. Allerdings ist hierzu spezielle Messtechnik vonnöten.
Um den Scanner zu profilieren, wird das Target eingelesen und anschließend eine Tiff-Datei im RGB-Farbraum erstellt. Alle automatischen Farbkorrekturen sowie das Scharfzeichnen müssen natürlich ausgeschaltet sein; es dürfen nur Einstellungen zur Scanqualität vorgenommen werden, welche die Tiefen- oder Lichterzeichnung unverändert lassen. Diese Einstellungen müssen für alle zukünftigen Scans beibehalten werden, um ein reproduzierbares Ergebnis zu erhalten.
Zur Profilierung einer Digitalkamera wird der IT8-7/2-Fotoabzug gleichmäßig ausgeleuchtet und aufgenommen. Allerdings umfasst das Target nicht alle Farben, die für die Aufnahme wichtig sind, und weist zudem einen störenden Glanzeffekt auf. Deshalb werden spezielle Testcharts angeboten, die über überwiegend matte Farbfelder verfügen und zudem gesättigtere Farben enthalten.
Die Tiff-Datei aus Scan bzw. Aufnahme wird mittels der Farbmanagementsoftware oder Photoshop auf das richtige Format gebracht und exakt ausgerichtet. Danach wird entsprechend der zugehörigen Referenzdatei das ICC-Profil berechnet.

Monitor profilieren

Nicht jeder Monitor ist für die Profilierung geeignet. Das richtet sich natürlich nach dem Anwendungszweck. So sollten Monitore für einen Highend-Proof die Hardwarekalibrierung unterstützen. Eine zuverlässige Simulation für unterschiedliche Druckverfahren ist auch mit Monitoren zu realisieren, die einen Mehrfachnutzen aufweisen, indem beispielsweise eine Regulierung der Helligkeitsverteilung über den gesamten Bildschirm möglich ist. Zudem gehören in einem professionellen Umfeld Standardmonitore bereits nach zwei Jahren zum alten Eisen.
Genauso wichtig sind für hochwertige Simulationen die Lichtverhältnisse im Raum. Hier sind vor allem gleich bleibende Betrachtungsbedingungen entscheidend. Für eine gute visuelle Abstimmung ist eine Normlichtquelle (D50) neben dem Monitor unerlässlich. Zudem sollte der Monitor vor Reflexionen von anderen Lichtquellen geschützt werden.
Wie bei den Drucksystemen auch steht am Anfang der Profilierung die Kalibrierung, um eine möglichst neutrale Basis zu schaffen. Dazu wird die optimale Helligkeit, Kontrast und Farbtemperatur eingestellt. Je nach Farbmanagementprogramm wird die Kalibrierung auf visueller oder messtechnischer Basis durchgeführt. Zwar ist das menschliche Auge nicht zu unterschätzen, dennoch ist für eine zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse auf Dauer die messtechnische Variante vorzuziehen.
Der eigentliche Profilierungsvorgang ist dann schnell geschehen. Ein Farbmessgerät (Colorimeter) wird in der Mitte des Monitors platziert. Eine spezielle Software stellt direkt unterhalb des Farbmessgeräts nacheinander sämtliche Farben des Farbraums dar, deren exakter RGB-Wert natürlich bekannt ist. Das Colorimeter gibt die gemessenen tatsächlichen RGB-Werte an die Software zurück. (Da Monitore normalerweise nicht alle RGB-Werte darstellen können, werden verschiedenen RGB-Werten oft die gleichen CIELab-Werte zugeordnet.) Diese erstellt daraus ein ICC-Profil des Monitors, das im Profilordner des Systems abgelegt werden sollte.

Daten aus Grafikprogrammen umrechnen

Manche Bilddaten werden nicht über die Eingabegeräte eingelesen, sondern werden erst in einer Anwendung, etwa einem Grafikprogramm, definiert. Werden dort Grafiken oder Farbtöne neu angelegt, muss zunächst in der Applikation der Arbeitsfarbraum festgelegt werden. Dieser dient später als Quellfarbraum. Wichtig bei der Nutzung mehrerer Grafikprogramme ist, dass diese aufeinander abgestimmt sein sollten, damit von den gleichen Quellprofilen ausgegangen werden kann.
Die Definition des Arbeitsfarbraumes erfolgt über ICC-Profile. Bei angelieferten Daten ist das ein Problem, wenn kein Quellprofil eingebettet wurde. Hier hilft nur die Information des Zulieferers oder, falls dies nicht möglich sein sollte, das Herausfiltern des optimalen ICC-Profils über verschiedenen Test-Profile.
Liegen die Grafikdaten nur im RGB-Farbraum vor, muss irgendwann im Produktionsprozess noch eine korrekte Konvertierung der Daten in den Zielfarbraum erfolgen. Dazu wird die Grafik in ein Layoutprogramm importiert oder über ein Color-Management-fähiges RIP verrechnet. Das Layoutprogramm liest das in der Datei eingebettete Quellprofil ein und verrechnet es mit dem Zielprofil. Am Besten ist natürlich, wenn die Daten schon im Grafikprogramm für den richtigen Zielfarbraum angelegt werden.
Die Verwendung von Sonderfarben ist ein weiteres Problem, da diese sich niemals eins zu eins auf einem herkömmlichen Drucksystem herstellen lassen. Um die Sonderfarben, die sich trotzdem reproduzieren lassen, verbindlich angeben zu können, wird ihnen farbmetrisch der beste Näherungswert an den Originalfarbton zugewiesen. Hierfür gibt es Hilfsprogramme, die anzeigen, wie eine Sonderfarbe oder ein bestimmter Farbton in dem Ausgabefarbraum aussehen wird. Dazu wird der Farbton mit einem Spektralfotometer gemessen. Einige der Applikationen verfügen auch über integrierte Farbfächer, wo der Farbton direkt angewählt werden kann. Anschließend rechnet das Programm aus den CIE XYZ- oder CIELab-Farbwerten den RGB- bzw. CMYK-Wert aus, der dem Originalfarbton am nächsten kommt. Die Umrechnung erfolgt natürlich in Abhängigkeit von dem gewählten ICC-Profil des Ausgabesystems. Theoretisch lässt sich die Umrechnung auch im DTP-System durchführen, allerdings wird dort in der Regel die Eigenschaften eines bestimmten Ausgabesystems nicht berücksichtigt, d. h. der CMYK-Wert wird nicht auf den Workflow abgestimmt.

Tipp zum medienneutralen Arbeiten

Medienneutrales Arbeiten auf Basis des Farbmanagements setzt voraus, dass die Daten so lange wie möglich in einem „neutralen“ Zustand belassen werden. So besteht die geringst mögliche Gefahr, dass Informationen durch Umrechnung in einen kleineren Farbraum verloren gehen. Die Konvertierung in den Zielfarbraum sollte also erst kurz vor der Ausgabe erfolgen. Dies garantiert, dass zum Beispiel eine Bilddatei schnell für verschiedene Medien und Druckverfahren aufbereitet werden kann.

Infos und PDF-Downloads

RGB-Farbräume - AdobeRGB, sRGB, ProPhoto-RGB... bedeutet größer auch besser?
PDF-Download: NaturblickFarbraeume.pdf [PDF 1.106 KB]

Der Monitor ein farbverbindliches Kontrollinstrument?
PDF-Download: NaturblickSoftproof.pdf [PDF 1.746 KB]

ChromoAssist Softproof -Das Anwendungspaket
PDF-Download: ChAssSoftproofLeseprobe.pdf [PDF 4.297 KB]