aktuelle Infos

Weiterführende Informationen zur "nachhaltigen Medienproduktion" finden Sie bei der Media Mundo-Brancheninitiative www.MediaMundo.biz

Aktuell ist der 5. Media-Mundo-Kongress in der Detailplanung. Infos dazu unter
www.umweltkonferenz.com

Die Media Mundo-Video-Dokumentationen der letzten 4 Media Mundo-Kongresse und der drupa-Vorträge finden Sie hier: www.mediamundo.biz/tv


Chance für die grafische Industrie

Die Notwendigkeit des Engagements rund um den Klimaschutz ist unbestritten. Bereits jetzt können die Folgen des Klimawandels kaum noch ungeschehen gemacht werden. Um die schlimmsten Auswirkungen abzuwenden, besteht dringender Handlungsbedarf – vor allem bei der Minderung von Treibhausgasemissionen.

Eine besondere Verantwortung haben aber nicht allein die Verbraucher. Immer mehr Markenartikler und Industrieunternehmen bekennen sich öffentlich zum Klimaschutz. Als Lösungsansatz kommen hierbei nur nachhaltige Strategien infrage. Das gilt in besonderem Maße für die grafische Industrie. Als Kommunikationslogistiker sind die hier tätigen Unternehmen zugleich auch wesentliche Multiplikatoren der Botschaften zum Klimaschutz.

Um Kunden und Auftraggebern schlüssige und praktikable Möglichkeiten der „nachhaltigen Medienproduktion“ vorschlagen zu können, reichen klimaneutrale Druckprodukte durch den Ausgleich von Emissionsminderungszertifikaten allein nicht aus. Die glaubwürdige Beratung auf Basis einer eigenen Strategie ist der Schlüssel zu einem differenzierten, wirksamen Angebot.

Nachhaltigkeitsstrategien dienen der Imagebildung und Positionierung eines Unternehmens im Wettbewerb. So ist die Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und auch sozialen Gesichtspunkten – Stichwort: Corporate Social Responsibility (CSR) – ein erwünschter Nebeneffekt einer klugen Unternehmenspolitik.

Künftig werden klimafreundliche Produkte mehr und mehr von der Print- und Medienindustrie gefordert werden. Das Expertenteam „nachhaltige Medienproduktion“ setzt sich mit der Problematik auseinander und diskutiert entsprechende Lösungsansätze für Medienproduktioner, Marketingentscheider und Druckdienstleister. Dazu gehören:
• Materialauswahl (Papier, Farbe, etc.)
• FSC-Zertifizierung
• Unternehmenszertifizierungen
• Senkung der CO2-Emission
• Emissions- bzw. Zertifikatshandel

Inhalte:
» Die Medienproduktion und der Klimawandel
» Umweltschonende Technologie
» "Fokus Umwelt bei Print und Papier"
» Redaktionsbeiträge
» Experten-Kontakte
» Links zum Thema "Umwelt und Papier"

Das Expertenteam beschäftigt sich unter anderem mit den Punkten:
• Was kann der einzelne an seinem Platz als Medienproduktioner, Marketingentscheider, als Drucker, als Unternehmer tun, um in seinem Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereich Pro-Umwelt zu handeln?
• Lohnt sich eine Investition in die Zerifizierung des eigenen Unternehmens?
• Wie kann in einer Druckerei die CO2-Emission spürbar reduziert werden?
• Worauf muss bei der Papier-Auswahl geachtet werden?
• Wie kann ich die FSC- und PEFC-Zertifikate nutzen?
• Was wirkt nachhaltig? Was kann geleistet werden?

Nachhaltige Medienproduktion auf einen Blick

Nachhaltige Medienproduktion bedeutet für den f:mp., dass sich Betriebe der grafischen Industrie darum bemühen,
In genau dieser Reihenfolge.



Materialauswahl (Druckplatten, Farben und Lacke usw.)

Laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz liegen in Baden-Württemberg die Materialkosten beim Offsetdruck bei einem Anteil von zirka 38 Prozent der Gesamtdruckkosten. Dieser amtlich festgestellte Wert darf wohl als grobes Mittel für deutsche Druckdienstleister angenommen werden.

Druckplatten

In der Regel bestehen Druckplatten aus Aluminium, da die daraus entstehende hydrophile Oberfläche sich sehr gut zur Benetzung mit Feuchtmittel eignet. Gegenüber Zink hat Aluminium zudem den Vorteil, dass durch eine feinere Körnung der Plattenoberfläche die Platte rauer wird und sich das Feuchtmittel besser verteilen kann.
Aluminium wird aus Bauxit durch Schmelzflusselektrolyse gewonnen. Dieser Vorgang verbraucht mit etwa 13.400 kWh pro Tonne sehr viel Energie. Leider können Aluminiumdruckplatten nur einmal genutzt werden. So entsteht darüber hinaus auch eine Unmenge an Aluminiumschrott.
In Deutschland wird dieser Schrott weitgehend recycelt und als sekundärer Rohstoff genutzt. Bei der Herstellung von Aluminiumplatten aus Aluminiumschrott werden etwa achtmal weniger Emissionen produziert, als bei der Herstellung des Primärrohstoffs.

Farben und Lacke

Um die Herstellung möglichst umweltverträglicher Druckfarben zu erreichen, haben sich Druckfarbenhersteller 1993 in einer Erklärung dazu verpflichtet, auf bestimmte Pigmente, Farbstoffe, Lösemittel, Weichmacher sowie giftige Stoffe zu verzichten.
So basieren Bogenoffsetfarben heute bereits zu mehr als 60 Prozent auf nachwachsenden Rohstoffen, der Chlorgehalt liegt bei unter 0,5 Prozent, Schwermetalle sind nur noch in geringem Umfang enthalten. Darüber hinaus wird am weiteren Austausch von Mineralölen durch pflanzliche Öle wie beispielsweise Sojaöl gearbeitet.

Die krebserregenden Nitrobenzol-Lacke, die im Tief- und Flexodruck Verwendung fanden sind mittlerweile den unbedenklichen Zwei-Komponenten-Lösemittellacken gewichen.
Die im Digitaldruck verwendeten Inkjet-Tinten sind leider nicht VOC-frei und basieren teilweise sogar auf besonders gefährlichen Lösemitteln wie Ethyl- und Butylacetat. Eine Alternative hierzu bilden wasserbasierende Tinten.

Feuchtmittel

Als Feuchtmittel wird grundsätzlich Leitungswasser verwendet. Dennoch wird beim Abbau von notwendigen Zusatzstoffen wie etwa dem Alkohol Isopropanol (IPA) in nicht unerheblichen Maß CO2 freigesetzt.
Je nach Druckbedingungen können IPA-Anteile bis zu 20 Prozent verwendet werden, in der Regel liegt der Wert aber bei unter 10 Prozent. Bei Anwendung moderner Druckmaschinen, mit einer messtechnisch geregelten Reduzierung des IPA-Anteils oder der Substitution durch Ersatzstoffe bzw. des wasserlosen Offsetverfahrens kann auf den IPA-Einsatz teilweise vollständig verzichtet werden. Bei älteren Druckmaschinen kann der Anteil durch den Einbau von speziellen Feuchtwerken reduziert werden.

Senkung der CO2-Emission

Nachhaltiger Klimaschutz lässt sich nicht ohne einen effizienten Energieeinsatz und konsequente Energiesparmaßnahmen erreichen. Dabei ist es gerade in der von starkem Wettbewerb geprägten Druckindustrie wichtig, dass die entsprechenden Investitionen auch ökonomisch sinnvoll sind. Allerdings bedarf es in der Regel auch keines großen Aufwands. Bereits mit einfachen Mitteln lassen sich erhebliche Energiesparpotenziale ausschöpfen:
• Recycling des Altpapiers
• Nutzung der Abwärme der Druckanlagen
• Transportmanagement, Vermeidung unnötiger Transportfahrten
• Nutzung neuerer Produktionsanlagen
• Stromanbieter mit klimafreundlichem bzw. regenerativem Strom-Mix

Zertifikate-Handel (Emissionsberechnung, Emissionstertifikate)

CO2-Emissionen sollten bereits im Ansatz vermieden, beziehungsweise reduziert werden. In Druckereien ist dies jedoch mit hohem Aufwand verbunden. Emissionsfreie Druckprodukte können überhaupt nicht angeboten werden. Das Konzept der Klimaneutralität beruht deshalb auf dem Ausgleich dieser unvermeidbaren CO2-Emissionen durch Einsparungen an anderer Stelle, denn für den Klimaschutz ist es irrelevant, wo die Emissionen entstehen beziehungsweise wo sie vermieden werden. Emissionen lassen sich demnach durch zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen an einem anderen Ort neutralisieren. Auf diese Weise können Drucksachen klimaneutral hergestellt und entsprechend gekennzeichnet und vermarktet werden.

Emissionsberechnung

Als Grundlage für den Ausgleich dient eine detaillierte Emissionsbilanz der jeweiligen Drucksache. Dabei werden herstellungsseitige CO2-Emissionen (Energie, Logistik, Farben, Aluplatten, Reinigungsmittel, Arbeitszeit etc.) ebenso berücksichtigt wie die individuellen Parameter des jeweiligen Druckerzeugnisses; so unter anderem Auflage, Umfang, Farbigkeit, Papierart und -hersteller, Transport.
Das Prinzip der Datenunabhängigkeit gewährleistet, dass nur solche Datenquellen verwendet werden, die aus unabhängigen, wissenschaftlichen Forschungsprojekten stammen. Darüber hinaus müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, die für die Berechnung und damit den Ausgleich der Emissionsmengen von Bedeutung sind. Sofern eine exakte Berechnung nicht möglich ist oder aufgrund des hohen Aufwandes nicht zu angemessenen Kosten durchführbar ist, werden Mittel- bzw. Erfahrungswerte verwendet. Allerdings muss in diesem Fall auf die vereinfachte Berechnung hingewiesen werden.
Auf Basis der Emissionsbilanz werden die CO2-Emissionen durch Investition wie zum Beispiel der Ankauf und die Stilllegung von Emissionszertifikaten in anerkannte, hochwertige und zusätzliche Klimaschutzprojekte ausgeglichen.

Unternehmenszertifizierungen

Mit der Norm „Umweltmanagment ISO 14000“ wird die Einführung und Gestaltung eines Umweltmanagementsystems im Unternehmen geregelt. Die wichtigsten Schritte hierzu werden in der ISO 14001 beschrieben. In diesem Prozess wird ein firmenindividuelles Umweltprogramm entwickelt, zu dessen Umsetzung sich das Unternehmen verpflichtet.
Bei der Einführung eines Umweltmanagementsystems werden nicht nur Material- bzw. Ressourcenverschwendungen aufgedeckt, sondern auch Potenziale zur Prozessoptimierung. Dafür wird zunächst eine umfassende Analyse aller Prozesse unter besonderer Berücksichtigung von Umweltaspekten sowie -risiken vorgenommen. Anschließend wird ein Umweltprogramm festgeschrieben, das selbstverständlich alle relevanten Gesetze, Richtlinien und Verordnungen beinhaltet. Die Umweltleistung des Unternehmens wird durch gezielte Planung und Steuerung kontinuierlich verbessert. Umweltbetriebsprüfungen kontrollieren in regelmäßigen Abständen die Erfüllung des Umweltprogramms.
Ein positiver Nebeneffekt der Unternehmenszertifizierung ist die Tatsache, dass die Umweltpolitik schriftlich fixiert werden muss. Umweltschutz wird so ganz selbstverständlich zum Teil der Unternehmensphilosophie.

Das „Eco Management and Audit Scheme (EMAS, auch „Öko-Audit“ genannt) beruht auf der EG-Verordnung 761/2001/EG über die freiwillige Beteiligung an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung. EMAS geht weit über die ISO 14000 hinaus, da hier die Verpflichtung einer standortbezogenen Umwelterklärung besteht. Darin informiert das Unternehmen über die Ziel- und Umsetzung seiner Umweltpolitik, die Umweltbilanz sowie das Umweltmanagementsystem. Die Umwelterklärung muss durch einen unabhängigen Gutachter zertifiziert werden, bevor das Unternehmen von der zuständigen nationalen Organisation registriert werden kann.

Emissionszertifikate

Bisher wichtigste Vereinbarung internationaler Staaten zum Klimaschutz ist das Kyoto-Protokoll. Hierin werden als Instrumente der Emissionsminderung die sogenannten flexiblen Mechanismen Emissionshandel (EH), Clean Development Mechanismen (CDM) und Joint Implementation (JI) benannt.
Dem Emissionshandel liegt als Basis die Idee zugrunde, dass Treibhausgasemissionen ein handelbares Gut darstellen können, wenn der Ausstoß von Schadstoffen nur dann gestattet wird, wenn man über entsprechende Emissionsrechte verfügt. Die Emittenten erhalten diese Rechte durch staatliche Zuteilung, können aber durch Auktionen oder Zukauf weitere Rechte erwerben bzw. überschüssige Emissionen verkaufen.
Bei CDM- und JI-Projekten werden Emissionsminderungen nicht in einem emittierenden Unternehmen, sondern in irgendeiner anderen Anlage entweder in einem Entwicklungsland (CDM) oder in einem anderen Industrieland (JI) vorgenommen. Im Gegensatz zum Emissionshandel wird die CO2-Emssion nicht nur umverteilt, sondern tatsächlich im Rahmen von bestimmten Projekten gemindert. Dafür gibt es Emissionsminderungsgutschriften, die zur Tilgung der Abgabepflicht durch getätigte Emissionen eingesetzt werden. Insgesamt gibt es folgende Emissionszertifikate:
• EU-Allowance (EUA): von der zuständigen Behörde
• Emissions Reduction Unit (ERU): Minderungsgutschriften aus JI-Projekten (ab 2008)
• Certified Emission Reduction (CER): Minderungsgutschriften aus CDM-Projekten

Darüber hinaus gibt es noch die sogenannten „Non-compliance“-Zertifikate, die nicht direkt zur Erfüllung der Abgabepflichten, wohl aber zur Neutralisierung von Treibhausgasemissionen eingesetzt werden können:
• Verified Emission Reductions (VER): Emissionsminderungen aus nationalen zertifizierten Projekten, wie z.B. kleineren Klimaschutzprojekten, für die der Aufwand der Anerkennung als CER zu hoch ist. (Diese können wie die CER mit dem Gold Standard des WWF* ausgezeichnet werden).
• Removal Units (RMU): Senkenprojekte, also Maßnahmen, die zur Einbindung von Treibhausgasen führen.
• Longterm CER/Temporary CER: Zertifikate, die im Gegensatz zu CER verfallen können. Temporary CER verfallen allerdings erst zum Ende der Verpflichtungsperiode, die der laufenden Periode folgt.
* Der Gold Standard, den führende Umweltexperten und Wissenschaftler sowie der WWF als ersten unabhängigen Standard für SDM- und JI-Projekte entwickelt haben, stellt sicher, dass entsprechende Projekte sowohl klima- als auch entwicklungspolitisch relevant sind.

Kennzeichnung der Drucksachen

Klimaneutrale Drucksachen können entsprechend gekennzeichnet werden. Hierfür gibt es zurzeit verschiedene Möglichkeiten. Diese reichen von der einfachen Formulierung „Klimaneutral gedruckt“ über eine Urkunde bis hin zum Abdruck einer Emissionsbilanz mit Beschreibung des Klimaschutzprojektes, mit dem der Ausgleich erfolgt.
Über den Erfolg der Kennzeichnung gibt eine Umfrage der schweizerischen Werbewoche Auskunft. Danach halten 34,78 Prozent aller Befragten das Angebot des klimaneutralen Druckens „grundsätzlich für wichtig und sinnvoll“. 56,52 Prozent befürworten klimaneutrale Druckangebote in dem Fall, dass „auch energieeffizient gedruckt wird“. Lediglich 8,7 Prozent der Befragten lehnten solche Angebote ab.

ClimatePartner

Grundlage für die Emissionsbilanz ist der ClimatePartner-Druckprozess, auf dessen Basis die relevanten Daten der Druckerei und des Druckerzeugnisses erfasst werden. Die Berechnung der CO2-Emission einer Drucksache erfolgt durch die Druckerei mit einem speziell programmierten Klimarechner innerhalb von weniger als zwei Minuten. Da die Rechenparameter den Gegebenheiten der jeweiligen Druckerei angepasst werden, ist die Genauigkeit der Berechnung sehr hoch.

Für den Emissionsausgleich stehen verschiedene Klimaschutzprojekte mit unterschiedlichen Zertifizierungsstandards zur Verfügung. Pro Druckerzeugnis kann eine Urkunde und eine Kennzeichnungsnummer bereitgestellt werden, die jede klimaneutral hergestellte Drucksache eindeutig kennzeichnet. Über diese Nummer kann anschließend genau nachvollzogen werden, wie viele CO2-Emissionen für diese Produktion angefallen sind und durch welches Klimaschutzprojekt sie ausgeglichen wurden. Dazu muss nur die entsprechende Nummer unter „Zertifikate suchen“ auf der ClimatePartner-Homepage (www.climatepartner.com) eingegeben werden.

Zudem bietet ClimatePartner ein Komplettpaket zur einfachen Einführung und Umsetzung. Von der Ermittlung bis zum Ausgleich der CO2-Emissionen, den schnellen Berechnungen pro Drucksache bis hin zu einem umfassenden Marketingpaket für die Kommunikation, bei alldem unterstützt ClimatePartner seine Kunden.

Durch den ClimatePartner-Prozessansatz und eine detaillierte Studie erhält die Druckerei eine hohe Transparenz der CO2-Emissionen im Betrieb und bei der Herstellung. Auf dieser Basis können Emissionen bereits im Ansatz reduziert und langfristig vermieden werden. Inzwischen setzen mehr als 30 Druckereien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich auf den ClimatePartner Druckprozess und berichten durchweg von einem äußerst positiven Echo bei ihren Kunden.



Umweltschonende Technologie

Nachhaltige Produktionsmethoden und die Verwendung makulatursenkender Technologien tun ein Übriges, um Emissionen zu verringern. Zu den Problembereichen, die sich aufgrund der verwendeten Drucktechnologie ergeben können, zählen unter anderem die Entstehung von Farbnebel, Papierstaub, Ozon, flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) und Abwärme. Eine von Ökopol veröffentlichte Studie, „VOC-Datenbasis der deutschen Druckindustrie“, zählte die Druckbranche 1999 mit 70.000 freigesetzten VOC-Tonnen pro Jahr noch zu den relevanten Umweltverschmutzern. Seit dieser Zeit haben die meisten Druckmaschinenhersteller jedoch sehr viel Engagement in Richtung Umweltschutz und Emissionsreduzierung an den Tag gelegt. Besonders in der Druckvorstufe wurden durch die Einführung digitaler Workflows, chemiefreier Druckplatten und der Direktbebilderung viele umweltkritische Prozesse überflüssig. Sehr viel Energie verschlingt dagegen die Wärmetrocknung.

Die EG-Richtlinie „Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung“ (IVU-Regel) berücksichtigt bei der Genehmigung für Druckereien wie auch bei bestehenden Anlagen sämtliche Lösungsmittel (IPA, Reinigungsmittel, Verdünner etc.), die bei der Druckproduktion zum Einsatz kommen. Bei Überschreitung einer jährlichen Mengenschwelle von 200 Tonnen ist eine Genehmigungsverfahren notwendig. Eine Ausnahme hierbei bilden Heatset-Rotationen, die aber wie Flexo- und Tiefdruckanlagen nun in den meldepflichtigen Geltungsbereich der Lösemittelverordnung EG VOCRL fallen. Die Grenzwertlisten werden jährlich aktualisiert und angepasst. Die Druckbetriebe sind verpflichtet, sich über diese branchenübergreifenden Werte für maximale Arbeitsplatz- und Umweltkonzentrationen auf dem Laufenden zu halten.

Die IVU-Richlinie setzt bei Genehmigungsverfahren in EG-Ländern voraus, dass sich die Anlage „auf dem Stand der besten verfügbaren Techniken“ (BVT) befindet. Das impliziert den Einsatz neuester Technologie mit umweltoptimierten Prozessen. Die dazu grundlegenden BVT-Merkblätter werden nicht nur von Experten aus den Behörden, sondern auch von Experten der Industrie erarbeitet. Eine Ausnahme von der BVT-Regel macht übrigens der wasserlose Offsetdruck. Als BVT genügt hier neben der technischen Ausstattung zur Unterschreitung der Emissionsgrenzwerte das Potenzial zur IPA-Reduzierung.



"Fokus Umwelt bei Print und Papier"

Immer mehr deutsche Unternehmen legen Wert auf umweltgerechte Prozesse und Verfahren und investieren in Nachhaltigkeit. Ziel ist es, die Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Belangen zu gewährleisten. In Deutschland kaum vorstellbar, weltweit jedoch werden pro Minute durch illegalen Holzeinschlag oder Brandrodung 28 Hektar Wald zerstört, eine Fläche, so groß wie 38 Fußballfelder. Internationale Initiativen setzen sich daher für den weltweiten Schutz der Wälder und eine nachhaltige Bewirtschaftung ein. Auch die Print- und Medienindustrie hat die Ressource Holz – als Rohstoff für Karton und Papier – als wertvoll und schützenswert erkannt.

Die deutsche Konjunktur entwickelt sich dynamisch. Der Ifo-Geschäftsklimaindex erreichte im Dezember 2006 einen selbst von Optimisten nicht erwarteten Höchststand, vergleichbar der Euphorie des Vereinigungsjahres 1991. Eine boomende Wirtschaft und ein gutes Konsumklima lassen den pro Kopf-Verbrauch von Papier in Deutschland weiter gen 250 kg pro Jahr anwachsen.

Papier

Papier stellt in der Druckindustrie eine der wesentlichen Emissionsquellen dar. Zwar entstehen bei der Papierherstellung nicht direkt, also prozessbedingt, Treibhausgase, allerdings leisten die benötigten Energiemengen für den Transport, der Stromverbrauch für die technisch anspruchsvollen Maschinen sowie der erzeugte Dampf zum Heizen der Trockenzylinder einen erheblichen Beitrag zur CO2-Emmission. Damit avanciert die Papierindustrie zum fünftgrößten Energieverbraucher der Industrie, obwohl auch hier der Energieeinsatz kontinuierlich gesenkt wird. Die deutschen Zellstoff- und Papierfabriken haben im Rahmen des Emissionshandels Emissionsberechtigungen in Höhe von 9,9 Millionen Tonnen CO2 beantragt. Diese Zahlen belegen einerseits die Bemühungen der Papierindustrie, andererseits aber auch den enormen Energiebedarf bei der Papierherstellung.
Da die verbrauchte Energie in den verschiedenen Papierfabriken aus sehr unterschiedlichen Quellen stammt, die von der Eigenerzeugung bis zur Kraft-Wärme-Kopplung reichen, lässt sich kaum eine allgemeingültige Aussage zu einem Durchschnittswert beispielsweise für die durch die Herstellung einer Tonne Papier erzeugten Emissionen treffen. Es bleibt festzuhalten, dass die günstigsten Emissionswerte von unter 200 Gramm CO2 pro kg Papier lediglich von 4 Prozent aller Papiere erreicht werden. Ein Drittel hingegen liegt mit den Emissionswerten jedoch zwischen 1.000 und 2.000 Gramm CO2 pro kg Papier.
Grundsätzlich weisen Papiere mit hohem Recyclinganteil geringere Emissionswerte auf.
Daneben ist die FSC-Zertifizierung von Papieren eine Richtlinie für nachhaltige Papierwirtschaft und den Schutz der Wälder.

f:mp.-Papierempfehlung - 1. Verwendung grafischer Papiere (Version 1.0)

Die richtige Papierauswahl für Druckproduktionen ist ein maßgeblicher Faktor für die Vermeidung von CO2-Emissionen. Daher empfiehlt der "Media Mundo Beirat für nachhaltige Medienproduktion".
Lesen Sie die komplette Media Mundo-Papierempfehlung hier:
www.mediamundo.biz/beirat/empfehlungen#1

Die weiteren Media Mundo-Empfehlungen finden Sie hier:
www.mediamundo.biz/beirat/empfehlungen

Informationsquellen:

Ausführliche Informationen, Links, Dokumentationen und Videoempfehlungen finden Sie hier:
www.mediamundo.biz/wissen/links

Lenzing erstmals mit klimaneutralem Recyclingpapier

Als erster Hersteller in Österreich bietet die Lenzing Papier klimaneutral erzeugtes Papier, das zu 100 Prozent aus recycelten Altpapierfasern besteht. Dabei werden in Kooperation mit der Strategieberatung ClimatePartner für das umweltfreundliche Papier die CO2-Emissionen ermittelt, die bei der Herstellung des neuen „Impact Climate Paper“ anfallen, um anschließend die unvermeidbaren Emissionen durch Investitionen in international anerkannte, zertifizierte Klimaschutz-Projekte auszugleichen. „Lenzing hat den CO2-Ausstoß bei der Papierherstellung, der indirekt durch den Einsatz von Strom und Dampf entsteht, in den letzten Jahren dramatisch gesenkt. Mit unserem klimaneutral erzeugten Low-Emission-Papier setzen wir ein deutliches Zeichen für die Branche in Richtung Nachhaltigkeit und Verantwortung im Klimaschutz. Die überaus große Nachfrage nach dem Impact Climate Paper auf der drupa-Fachmesse im Juni diesen Jahres bestätigt dieses Konzept“, erklärt Ernst Brunbauer, Geschäftsführer der Lenzing Papier GmbH.
Bei der Papiererzeugung entstehen sehr geringe prozessbedingte CO2-Emissionen, allerdings wird CO2 beim Rohstofftransport, von der Papierfabrik selbst sowie indirekt bei der Erzeugung der benötigten Strom- und Dampfmengen freigesetzt. Im Durchschnitt werden für die Herstellung einer Tonne Papier ungefähr 2,6 Megawattstunden Energie benötigt. Für das Impact Climate Paper der Lenzing Papier hat ClimatePartner eine Gesamtmenge an CO2-Emissionen von 189 kg CO2 pro Tonne Papier errechnet. Damit fällt das Öko-Papier in die beste Kategorie „A“ der ClimatePartner Emissionsklassen für graphische Papiere. Der Emissionswert beinhaltet den Transport der Rohstoffe, die Papiererzeugung sowie die zusätzlichen Emissionen der Papierfabrik am Standort Lenzing in Österreich. „Das Impact Climate Paper besteht aus 100 Prozent recycelter Faser, ist chlorfrei gebleicht, besitzt eine hohe Weiße und Reinheit und ist zudem hochgradig alterungsbeständig. Zur Herstellung verwenden wir ausschließlich Altpapier aus dem regionalen Umkreis, auch um den Emissionsausstoß für den Rohstofftransport zu minimieren. Unser umweltpolitisches Ziel ist es, den niedrigstmöglichen Emissionsausstoß zu erreichen“, erläutert Ernst Brunbauer, „Der Vertrieb des klimaneutralen Papiers erfolgt über große, international namhafte Distributionspartner“, fügt Brunbauer hinzu. Das Impact Climate Paper ist speziell für repräsentative Anwendungen wie etwa Nachhaltigkeitsprojekte oder Geschäftsberichte gedacht. Dabei wird das Papier auch unter besten Bedingungen im Traditionswerk in Lenzing in Oberösterreich gefertigt. Die Fabrik ist nach den ISO-Normen 9001, 14001 sowie 18001-OHSAS zertifiziert und bietet das neue Produkt in unterschiedlichen Grammaturen von 70 bis 250 Gramm an.

ClimatePartner Emissionsklassen für grafische Papiere
Im Rahmen des ClimatePartner Druckprozess werden grafische Papiere nach ihren CO2-Emissionen in fünf Emissionsklassen eingeteilt. Dabei basieren die Emissionsberechnungen für Papiere auf den Herstellerangaben, wie etwa die „Paper Profiles“. Diese sind von führenden Papier- und Zellstoffherstellern in einheitlichem Format herausgegebene Umweltdaten und werden für einzelne Papiere individuell erstellt und ständig weiterentwickelt. Um die Vergleichbarkeit der Emissionswerte zu ermöglichen, prüft ClimatePartner, welche Emissionsquellen berücksichtigt sind. Dies sind insbesondere die Emissionen aus dem Rohstofftransport, der Papierfabrik sowie aus der Herstellung des fremdbezogenen Stroms. Für fehlende Emissionsquellen erstellt ClimatePartner sachgerechte Schätzungen nach genau festgelegten Methoden, wobei die Werte für Strom und Transporte mit einbezogen werden.

FSC- und PEFC-Zertifizierungen

Die Papierindustrie erwächst durch die Nutzung der Ressource Holz eine besondere Klimaverantwortung. Die Druckindustrie wiederum ist auf Papier für die Herstellung von Printprodukten angewiesen. Ein Interesse an der Verwendung zertifizierter Papiere liegt daher auf der Hand.
Unternehmen der Holz verarbeitenden Industrie können sich bei zwei Initiativen zertifizieren lassen: Forest Stewardship Council (FSC) und Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC). Grundlage beider Initiativen ist die Zertifizierung des Forstmanagements. Das garantiert die Qualität der Bewirtschaftung und beinhaltet als Kernpunkte die Mischwald-Wiederaufforstung, das Schonen des Waldbodens und wertvoller Waldbestände sowie der Schutz der in Wäldern lebenden Völker. Es reicht aber nicht, wenn nur das Papier zertifiziert ist, deshalb wird neben diesen Schutzmaßnahmen die gesamte Chain of Custody (CoC) lückenlos zertifiziert. Das reicht von der Herkunft des Rohmaterials bis hin zum Endverbraucher. Somit können beide Umweltsiegel nicht nur Papierfabriken, sondern auch an die Bedruckstoffsortimente und die anwendenden Druckereien vergeben werden.
Darüber hinaus haben neun Papierhersteller bzw. -händler eine eigene Initiative gegründet. Holmen, Klippan, M-real, Myllykoski, Norske Skog, Sappi Fine Paper Europe, Stora Enso, Trebruk und UPM-Kymmene statten nun jedes Papier mit einem Paper Profile aus, welches über die Lieferkette, das Umweltmanagement und alle zum Einsatz gekommenen chemischen Stoffe informiert.

FSC und PEFC im Vergleich
Regelmäßig werden wir gefragt, welche Verantwortung der Medienproduktioner oder gar die grafische Industrie in Bezug auf die nachhaltige Papierauswahl hat. In diesem Zusammenhang arbeitet der f:mp. mit dem WWF zusammen und verweist somit auf die Studien und Dokumentationen, die beim WWF publiziert wurden.


PDF-Download: wwf_papierzertifzierung.pdf [PDF 624 KB]

PDF-Download: WWF_Papiereinkauf_Leitfaden.pdf [PDF 2.662 KB]

Weitere Informationen finden Sie unter: www.wwf.de/themen/waelder/papier/fsc-papierprodukte/

Das Geheimnis Ihres Erfolgs

Die Positionierung in Richtung „nachhaltige Medienproduktion“ beruht auf einem dynamischen Prozess – das betrifft auch die Kommunikation mit den Kunden. Aufgabe ist es, klimafreundliche Produkte zeitgemäß zu vermarkten – Kunden zu informieren, zu begeistern und neue Leistungsangebote zu inszenieren.

In der Aufgabe, Kunden für den aktiven Klimaschutz zu gewinnen, liegt eine große Chance – die Chance zur Differenzierung und Kundenbindung. Dazu gibt es sechs Kernaspekte, die es zu berücksichtigen gilt und bei denen ClimatePartner wertvolle Unterstützung leistet:
1. Produkt- und Leistungsinformation
Es ist erfolgsentscheidend, die eigenen Leistungen und Möglichkeiten aktiv zu kommunizieren.
2. Kommunikationsunterstützung
Kunden benötigen für die Umsetzung tatkräftige Hilfe (Zertifikatinfos für die Website, Möglichkeiten der Nutzung der Zertifikatinfos für eigene Kommunikation, Jahresbericht über CO2-Neutralisierung für Unternehmenskommunikation usw.)
3. Design
Klimafreundlich oder klimaneutral produzierte Produkte müssen nicht auf eine attraktive Optik verzichten. Das Design kann über die richtige Papierauswahl, angemessene Druckveredelung und kreative Weiterverarbeitung optimiert werden.
4. Perspektive und Orientierung
Eine klare und verlässliche Auszeichnung von Druckprodukten durch die Nutzung glaubwürdiger Labels und Siegel unterstreicht das Engagement und bestätigt dessen Ernsthaftigkeit. Neben der Information, was die einzelnen Labels bedeuten, ist die klare Auszeichnung durch die lachende Welt, FSC, PEFC, EMAS usw. zwingend notwendig.
5. Beratungskompetenz
Um Kunden zu ermuntern, klimafreundliche Druckproduktionen in Auftrag zu geben, bedarf es einiges an Fachwissen. Denn letztlich kostet der Klimaschutz das Geld des Kunden und das setzt er nur dann ein, wenn ihn das vorgelegte Konzept überzeugt. Dazu muss das Konzept selbst schlüssig sein und so präsentiert werden, dass alle Fragen des Kunden hinreichend beantwortet werden.
6. Kostenvorteile
Der freiwillige Klimaschutz ist für Kunden mit Mehrkosten verbunden. Die vorgelagerte Vermeidung und Reduzierung der Emissionen hilft, diese Kosten so gering wie möglich zu halten. Neben der möglichen Reduktion der Betriebskosten bietet sich so die Chance, durch die Preisgestaltung positiv am Markt aufzufallen.



Redaktionsbeiträge

Nachhaltige Medienproduktion
Nachhaltige Medienproduktion, klimaneutrale Druckprodukte und Umweltverantwortung stehen hoch im Kurs. Kunden und Auftraggeber verlangen zunehmend nach entsprechenden Lösungen. Das ist eine einmalige Chance für Medienproduktioner, Druckereien und Werbeagenturen, eine zukunfstorientierte neue Beratungskompetenz aufzubauen. Und nicht nur das – endlich hat die grafische Industrie eine thematische Steilvorlage, die es ermöglicht, auf gleicher Augenhöhe mit der Marken- und Unternehmenskommunikation zu agieren und zu beraten. Zum Umfeld der Nachhaltigkeitsberichte hat der f:mp.-Geschäftsführer einige Fragen beantwortet.
Artikel zum PDF-Download: Nachhaltige+MP.pdf [PDF 221 KB]

Auszug DirectMarketingReport "Nachhaltigkeit"
DirectMarketing0708.pdf [PDF 1.257 KB]

ClimatePartner-Lexikon "Klimaneutral Drucken"
CP-Lexikon_drucken.pdf [PDF 377 KB]

ClimatePartner-Lexikon "Green IT"
CP-Lexikon_GreenIT.pdf [PDF 1.164 KB]

Experten-Kontakte




Marco Zahner
ClimatePartner Switzerland AG
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www.climatepartner.com



Links zum Thema "Umwelt und Papier"

Initiative Pro Recyclingpapier
FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V.
PEFC Deutschland e.V.
ClimatePartner Deutschland GmbH
Umweltinformationen der PapierUnion
TÜV NORD CERT GMBH
Rat für nachhaltige Entwicklung
UmweltDialog
World Business Council for Substainable Development
Eine unbequeme Wahrheit